Das Bothy Tent

Bothy Tent
      vor Aussicht 
Als Notunterkunft hat sich in Großbritannien das "Bothy Bag",  auch "Group shelter" genannt, etabliert. Dieses ist eine quaderförmige Hülle aus wasserdichtem Stoff welche über eine Gruppe von Personen gestülpt wird. Die Personen bleiben darin Sitzen und bilden mit Ihren Körpern das "Gestänge". Durch die oben geschlossene Bauweise wird die warme Luft am Aufsteigen gehindert, Verdunstungskälte minimiert und es wird recht schnell sehr warm. Sinnvoll nutzen lässt sich das Bothy Bag mit mindestens zwei Personen. Eine Person kann sich aber zur Not darin einwickeln und so ein Notbiwak abwettern. Ich habe das Bothy Bag so abgewandelt, daß es mit zwei Trekkingstöcken als winziges Firstzelt abgespannt werden kann. Eben ein Bothy Tent. Die Quaderform ist einem dreieckigen Prisma gewichen und an Kopf- und Fußende befinden sich dreieckige Stoffpanele. Die Hauptnutzung soll nach wie vor als Bothy Bag sein, man darf also keinen Palast erwarten- das wäre für die Wärmeerhaltung ja auch kontraproduktiv. Mit der Grund warum das Bothy Bag so warm ist, ist weil man aufgrund der Platzverhältnisse auf Tuchfühlung gehen muß, und sich so gegenseitig wärmt. Außerdem minimiert die kleine Gesamtoberfläche den Wärmeverlust. Das Teil ist 1,6m lang, 1m breit und 1m hoch. An den Stirnseiten befinden sich 30 cm tiefe Stoffpanele zum darauf sitzen. Mein Prototyp hat zwei Tütenlüfter bekommen und wiegt knapp 300 gr. Ähnliche Notzelte gibt es von diversen Herstellern, allerdings haben diese gemein, daß die Zeltfunktion mehr im Vordergrund steht. Alle diese Zelte haben eine Liegelänge von 2m und mehr, sind also deutlich größer und, je nach Material auch schwerer.

Roof panel cutout diagram
Das ist der Zuschnitt von dem Dachpanel. Einfach 2,3m Laufmeter Stoff von der Rolle abschneiden. Die meisten Stoffe liegen 1,5m breit. Dieses Maß legt die Länge des Bothy Tents fest. 1,6 m breiten Stoff findet man auch ab und an. Das ist ebenfalls möglich und ergebt eine etwas komfortablere Liegelänge im Zeltmodus. 
End panel cutout diagram
Das wäre der Zuschnitt für das Firstpanel. Die Verlängerung von 35 cm wird seitlich an das Dachpanel angenäht und bildet an den Enden einen kleinen Boden auf dem man sitzen kann ohne daß der Hintern naß wird.
Drawing of tent
In den gezeigten Abmessungen bekommt man eine Familie mit zwei Erwachsenen und zwei kleinen Kindern unter. Zwei Erwachsene alleine bekommen locker noch ihre Wanderrucksäcke mit rein und ein Erwachsener kann, wenn man das Bothy Tent mit zwei Wanderstöcken aufbaut, sogar liegend unterkommen wenn man diagonal liegt. Die Zeltfunktion wird für die Nutzung die Ausnahme sein, deshalb habe ich mir, um das Gewicht niedrig zu halten, aufwändige Verstärkungspatches an den acht Abspannpunkten geschenkt. Auf Gesichtshöhe habe ich auf jeder Seite je einen Tütenlüfter angebracht. Dann kann man auch mal rausgucken und die Lage checken. Einer der Tütenlüfter hat an der Basis einen zweiten Schnürzug und kann so als Packbeutel für das Bothy Tent genutzt werden.
Bothytent verpackt
Das Ganze wiegt knapp 300 gr. Ich habe Silnylon mit einem Flächengewicht von 45 gr./m² benutzt. Einer der Tütenlüfter hat an seiner Basis einen zweiten Schnürzug und dient so als Packbeutel.
Bothytent
Hier noch ein Paar Fotos. Die Abspannpunkte sind nicht verstärkt um das Gewicht niedrig zu halten. Bei Wind in Sturmstärke benutzt man das Ding besser als Bothy Bag ohne Heringe und Gestänge. Alleine habe ich (187 cm Körpergröße), Platz um mit leicht angewinkelten Beinen im Zelt liegen zu können.
Bothy Tent
              von der Seite
Seitansicht: Man kann die 30 cm tiefen Bodenpanele an den Stirnseiten erahnen. Statt Heringen kann man auch Steine in die Ecken platzieren. 
bothy
              tent with family
Hier noch eine Aufnahme mit insgesamt vier Personen im Zelt. Zwei Erwachsene und zwei Kindergartenkinder. Letztere hatten noch ausrechend Platz herum zu laufen und den Großen über die Beine zu klettern. Das Zelt hat übrigens keinen richtigen Eingang. Um rein zu kommen macht  man eine der Ecken von der Bodenfixierung ab und hebt sie hoch. Der Einfachheit halber habe ich an der Eingangsecke einen Stein reingelegt und keinen Hering verwendet.


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